Passionsspiel


Passionsspiel
Pas|si|ons|spiel 〈n. 11aus dem Gottesdienst entwickeltes, mittelalterl. geistl. Drama über die Passion Christi

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Pas|si|ons|spiel, das:
volkstümliche dramatische Darstellung der Passion Christi.

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Passions|spiel,
 
Passion, Leiden und Sterben Jesu Christi in dramatischer Gestaltung; neben dem Osterspiel bedeutendster Typus des mittelalterlichen geistlichen Spiels. Die Tradition des Passionsspiels lässt sich, im Unterschied zum Osterspiel, nicht über das 13. Jahrhundert hinaus zurückführen; seine Blütezeit fällt ins 15. und 16. Jahrhundert. - Das Passionsspiel hat sich im Gegensatz zum älteren Osterspiel nicht im liturgischen Rahmen herausgebildet. Meist wird seine Entstehung mit der Tendenz erklärt, das vorösterliche Geschehen in das Osterspiel einzubeziehen. - Die meisten Passionsspiele beschränken sich nicht auf eine Darstellung des eigentlichen Passionsgeschehens, sondern beziehen in ihre Handlung die ganze christliche Heilsgeschichte des Alten Testaments und Neuen Testaments ein; sie münden fast immer in ein Osterspiel. Die Aufführung dieser umfangreichen Spiele erstreckte sich, v. a. seit dem 15. Jahrhundert, oft über zwei oder drei Tage, häufig mit Tausenden von Mitwirkenden. - Neben wenigen lateinischen Passionsspielen gibt es zahlreiche deutsche Passionsspiele, die sich zu drei großen Spielkreisen ordnen lassen. Der westmitteldeutsche (Frankfurter) Spielkreis weist eine besonders lange Tradition auf (13.-16. Jahrhundert). Älteste Belege sind die Frankfurter Dirigierrolle (um 1350) und das Passionsspiel aus Sankt Gallen (frühes 14. Jahrhundert). Eine besonders reiche und zugleich geschlossene Spieltradition zeigt der Tiroler Spielkreis. In den weiteren Umkreis des Tiroler Passionsspiels gehört das Passionsspiel aus Augsburg (Ende des 15. Jahrhunderts), das die Vorlage für den ältesten Passionsspieltext aus Oberammergau (1634; Oberammergauer Passionsspiel) bildete. Vertreter eines alemannischen Spielkreises sind die Passionsspiele aus Donaueschingen (aus Villingen stammend, 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, zweitägiges Spiel) und Luzern (Text von 1616, Tradition bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurückreichend). Für Straßburg und Colmar sind Passionsspiele bezeugt, jedoch nicht erhalten. - Der Rückgang der Passionsspieltradition seit dem 16. Jahrhundert fällt mit der Ausbreitung des Protestantismus zusammen. Nur in katholischen Gebieten blieb das Passionsspiel z. T. über das 16. Jahrhundert hinaus lebendig (Oberammergau, Erl).
 
 
R. Steinbach: Die dt. Oster- u. P. des MA. (1970).

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Pas|si|ons|spiel, das: volkstümliche dramatische Darstellung der Passion Christi.

Universal-Lexikon. 2012.

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